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Freitag, 6. Januar 2017

I'm rollin'

Hallo Freude des gepflegten Ausdauer-Dreikampfs,

wir befinden und mitten in einer knackigen Kältephase und einige Teile Deutschlands sind schon ordentlich verschneit - und schon entbrennt die gute (alte?) Debatte um das Rollentraining. Wann?  Wie oft? Wie lange? Welche Inhalte? ...und wieso überhaupt?!

In diversen Triathlonforen posten sich die Teilnehmer die Köpfe heiß. Glühende Verfechter des Rollentrainings versuchen ihren Standpunkt den absoluten Rollenverweigerern klarzumachen, diese wiederum brüsten sich in bester "Gorilla-auf-die-Brust-klopf-Manier", das "Männer nur draußen gemacht werden..." - es wird aber vergessen dass auch Frauen Rad fahren. Was ist eigentlich mit denen? Werden die dann also zum Mann, zur Amazone, zu einem androgynen Wesen oder...?! Huch, ich schweife mal wieder ab...

Wieder andere sagen, sie trainieren erst wieder auf dem Rad ab März und dann gibt es noch die Leute die zwar Rollentraining durchführen, aber von chronischer Demotivation mit max. 30min Trainingszeit berichten... und zu guter Letzt ziehen einige - hüben wie drüben - die "wie hoch ist denn Deine Leistung, dass du deine Meinung hier kundtun musst" Karte und ruck-zuck werden die (virtuellen) Manieren beiseite gelegt. Unschön! Unnötig! Un...sinn!

Zusammengefasst heisst es - mal wieder - das Thema ist vielfältig und es gibt mehrere Möglichkeiten, Herangehensweisen und Erfahrungen. Es gibt ihn einfach NICHT, DEN absoluten Weg zur Glückseeligkeit und die damit verbundene absolute Wahrheit...!

Das nehme ich zum Anlaß meine Sicht auf einige der Dinge kund zu tun...

Rolle ist langweilig!

Dass draußen Radfahren visuell andere Reize bietet und von daher abwechlungsreicher ist, ist unbestritten. Auf der Rolle wartet bestenfalls eine DVD oder die virtuellen Trainingspartner eines SmartTrainers auf einen... schlechtestensfalls schaut man stupide aus dem Fenster oder gegen die eigene Zimmerwand. So oder so braucht man für die Rolle ein anderes "Mindset" und das kann - je nach Fall und Persönlichkeit - aber auch absolut vorteilhaft sein...

Rolle ist nicht langweilig!

Fakt ist, dass Rollentraining abwechslungsreich sein kann - ja sogar sein muss - genau so wie jede reguläre Einheit "draußen" ebenso vielfältig und abwechslungsreich sein sollte. Man kann - sofern es nötig oder gewollt ist - inhaltlich wesentlich punktgenauer trainieren als es draußen möglich ist. Keine Ampeln, kein Verkehr, kein hoch-und-runter, kein links-und-rechts.

Trittfrequenzintervalle, Motoriktraining ("einbeinig", "ziehen", "drücken", "abstreifen", "rund"), Timetrial, Bergfahrten, stehend, sitzend, freihändig, Widerstandsintervalle, Pyramiden, Treppen, Crescendo, Decrescendo, Absteigen und Funktionsgymnastik oder Athletikübungen absolvieren u.v.m. Die Möglichkeiten von modernen SmartTrainern sind hier noch gar nicht genannt. Rollentraining ist langweilig?! ...where's your point?!

Weitere Vorteile der Rolle sind:
- die Unabhängigkeit von Wetterlage und Tageslicht,
- die Verletzungs-/Sturzgefahr durch z.B. Straßenglätte besteht nicht,
- die gesundheitlichen Risiken für Atemwege und den (Knie)Gelenkapparat sind gleich null.

Die Qual der Wahl

Dieser Blogeintrag soll & kann keine (Kauf)Empfehlung für oder gegen eine Marke oder Rolle generell sein. Entscheidet man sich aber für eine Rolle, so sollte jedem klar sein dass - wie in vielen anderen Bereichen allgemein - eine höhere Investition auch meist mit mehr Qualität und Spaß einhergeht. Man sollte sich vorher überlegen was das genaue Einsatzgebiet der Rolle sein soll.

Für gelegentliches "Herumrollen" gehen sicherlich günstige Einsteigermodelle. Diese Rollen sind im Grunde der Überlegung eigentlich dazu gedacht, sich warm zu fahren und NICHT um "richtiges" Training darauf zu absolvieren. Möchte ich hingegen mein Training - aus welchem Grund auch immer - nach innen verlegen, so sollte ich über eine höhere Investition für einen Smarttrainer ggf. mit App-Steuerung, Leistungsmessung, Trainingsprogrammen, virtuellen Trainingspartnern /-strecken usw. usf. nachdenken...

Fazit

Dass man auf einer Rolle trainieren muss ist genauso falsch wie, dass man nur draußen richtig fahren kann. Vielmehr gilt - es ist den persönlichen Rahmenbedingungen, Ambitionen und Vorstellungen geschuldet wie man an die Sache rangeht. ALLES KANN - NICHTS MUSS...

In diesem Sinne - keep on rollin' - so oder so!

M.P.

#OnetoonePersonaltraining #PersonalTriathlonTraining #certifiedTrainer #certifiedCoach #ironman #challenge #triathlontraining #rollentraining #indoortraining #wintertraining #workout #fitness #rollmops


Montag, 5. September 2016

Materialtest - ON Laufschuhe...

Hallo liebe Freunde des Ausdauersports,

hier ein kleiner Testbericht zweier Laufschuhmodelle der Marke ON aus der Schweiz... ich habe seit rund 4 Wochen die beiden Modelle "Cloud" und den "Cloudracer" ausgiebig getestet.



Hier die Links zu den Schuhen und ggf. Infos zu Sprengung und "Einsatzgebiet"...

Cloud (links):
https://www.on-running.com/de-de/products/cloud-olive-grey?taxon_id=2

Cloudracer (rechts):
https://www.on-running.com/de-de/products/cloudracer-silver-lime-m?taxon_id=2

Wie habe ich getestet?

Ganz einfach. Laufen auf verschieden Untergründen, Tempi, Richtungswechsel etc. etc. Ich war auf der Leichtahtletikbahn, Asphalt, Schotter, Waldboden... Herausbekommen wollte ich dabei die Dämpfungseigenschaften, die Stabilität, die "Unterstützung" sowie die Beschaffenheit des Materials - sowohl der Sohle als auch vom Obermaterial und des Innenschuhs.

Warum habe ich getestet?

Auch ganz einfach. Zunächst ist es gut wenn jeder Läufer der regelmäßig trainiert wenigstens 2 Paar Laufschuhe im Schrank hat. Sei es aufgrund der unterschiedlichen Beanspruchung des Fußes oder zusätzlich für die etwas "advancteren" Läufer aufgrund unterschiedlicher Untergründe (Asphalt und/oder Bahntraining) o.Ä. etc. etc. Eine Alternative zu haben ist immer gut.

Offen für Neues.

Weiter finde ich, sollte man immer offen sein für Neues, sowohl was Trainingsmethoden angeht, als auch was das Material betrifft. Ich selber lief seit Jahren immer wieder Schuhe der Marke ASICS - dort im speziellen den "DS Trainer" und den "DS Racer" ... ich begann nach Alternativen zu suchen als sich die o.g. Modelle anfingen in ihrer Funktionalität von Jahr zu Jahr zu unterscheiden.
Konkret - der "Racer" hatte von ein Jahr auf das andere plötzlich völlig andere Eigenschaften im Seitenhalt - bei schnellen Kursen mit Richtungswechseln kann das sehr unangenehm werden...alleine schon wegen Reibung aber auch wg. Sicherheit... dies passierte - nach meiner Analyse - aufgrund des veränderten Sohlenprofils und durch das veränderte Obermaterial...

Meine Läuferkarriere "führte" mich in den Jahren also durch die verschiedensten Markenwelten - Saucony, Zoot, Adidas, Nike, Puma, Brooks, Sketcher, Asics u.e.m. - und Modelle - Kinvara, Faas, GT2000, Fasttwitch, Fly ...und was weiss ich noch alles...

Ach wie geil, da fällt mir was ein. ...kennt Ihr DEN noch?  Hab ich aus meinem Archiv gekramt!
 


Nike "MayFly" ...hält nur 100km. Der hier hat wahrscheinlich schon 101km runter... aber nix für Läufer über 28kg Körpergewicht, Marathon über 2:30h oder 10km über 29min...! Daher benutz' ich den nicht mehr...  :-)

Sohle ON.

Zunächst war ich skeptisch bei den ON Schuhen - insbesondere wegen des Sohlen-/Dämpfungskonzept mit diesen "Knubbeln" und deren Haltbarkeit - dies kann ich nach rund 4 Wochen nicht genau sagen, aber es hat den Anschein als das die "Clouds" (darauf basiert offensichtlich das Konzept sowie die Namensgebung) stabil genug sind ordentlich Belastung auszuhalten. Sie haben keinerlei Anzeichnen von Dämpfungsverlust oder Brüchigkeit gezeigt - auch nicht bei Training an zwei aufeinander folgenden Tagen.
Das absolute Manko sind die Rillen in den Sohlen bei Läufen auf losem Untergrund. Ständig sammelt man größere und kleinere Steinchen (hier exemplarisch Murmeln meiner Kids)... :-) Man fühlt sich dann permanent wie die "Prinzessin auf der Erbse" und läuft unrund.

Obermaterial ON.

Der Cloud ist etwas stabiler, besteht aus "Mesh" und an den Seiten aus etwas dickerem Material - "Segeltuch-ähnlich". Der Cloudracer besteht aus einer Art dünnem Spezialkunstoffnetz, dass aus kleinen und größeren Waben besteht. Beide Schuhe - insbesondere aber der Cloudracer überzeugen durch absoluten Top-Seitenhalt - vielleicht auch bedingt durch die sehr gute Schnürung. Achtung - DAS aber nur wenn man die normalen Schnürbänder benutzt statt der flexiblen Gummidinger... Ach ja, ich vermisse die "Anziehlasche" bei den Cloud...die Cloudracer haben eine. Besser so für schnellere Wechsel im Triathlon z.B.

Innenschuh ON.

Durch das bei beiden Modellen recht dünne Material im Mittel- und Vorderfuss und ausreichend weichem Material im Fersenbereich sind die Schuhe - mit den passenden Socken - sehr bequem. Vorsichtig wäre ich insbesondere beim Cloudracer mit Barfußlaufen - davon kann man genrell halten was man möchte, aber im Cloudracer wäre mir persönlich das Material im mittleren- und vorderen Bereich des Schuhs zu rau.

Preise ON.

Kritisch sehe ich die Preise von jeweils rund € 140,- pro Paar. Aber das stört mich auch bei anderen Schuhmarken - ich denke 95% aller Laufschuhe sind einfach überbezahlt und können lediglich verkauft werden durch den riesigen Lauftrend. Was im Grunde der Dinge (also der Lauftrend) eine positive Geschichte ist... Natürlich kann man sich fragen ob eine Kunststoffrolle mit Knubbeln drauf um die Faszien zu lockern auch 35,- € Wert ist... Zahllose Beispiele wären möglich. :-)

Laufgefühl ON.

Jetzt zum wohl wichtigsten Punkt - die Laufeigenschaften. Beide Schuhe sind absolut super. Direkt, stabil, knackig, excellentes "Feedback" und Abdruckverhalten auf Asphalt und der Bahn!!! Die Schuhe haben eine Sprengung von 6mm (Cloud) und 5mm (Cloudracer). Stabil - in Kurven und bei Richtungswechseln sehr guter Halt des Fußes im Schuh. Knackig - bei Tempoläufen oder auch Sprints hat man das Gefühl keinerlei Energie "in den Boden" zu verschwenden. Das setze ich gleich mit dem Punkt Feedback. Das Abdruckverhalten ist ebenfalls auf den Punkt, hat aber sicherlich seinen Hauptgrund in der Art des Laufens. Soll heißen, bei dynamischem Laufstil.
Beim Thema Sohle habe ich bereits geschrieben, dass sich auf loosem Untergrund sehr leicht Steine in der Sohle verklemmen, was mich persönlich unheimlich stört. da bezeichne ich mich tatsächlich selber als "Prinzessin auf der Erbse"... mich stört es aber auch wenn die Schuhe 0,5% unterschiedlich geschnürt sind... :-) Kurzum. Beide Schuhe sind absolut Top für harte Untergründe.

Fazit ON.

Die Schuhe sind absolut hochwertig und excellent verarbeitet. Vielleicht rechtertigt das den Preis zumindest ein bisschen. Die Schuhe sind nur für schnellere oder dynamischere Läufer gemacht. Es ist schwer die Messlatte irgendwo anzusetzen, aber sagen wir mal so - Läufer die im Grundlagenbereich irgendwo zwischen 4:45-4:15min/km laufen - für die sind die Schuhe eine absolute Kaufempfehlung. Langsamere Läufer haben sehr wahrscheinlich (noch) nicht die muskulären Voraussetzungen für die(se zwei Modelle) ON Schuhe. Mit dem Cloud kann man prima Trainingskilometer sammeln und für die richtig schnellen Sachen den Cloudracer benutzen. Ich würde sagen "Schweizer Wertarbeit" und als Alternative oder gar Markenwechslen absolut zu empfehlen.

In eigener Sache.

Um es von vornherein klar zu stellen - ich erhalte keinerlei Unterstützung oder anderweitige Vorteile von ON. Sollte ich in Zukunft weiteres Material testen werde ich auch in jedem Fall meine Beziehung - oder eben auch Nicht-Beziehung - zu den Marken/Herstellern offen legen. Des Weiteren haben Tests immer eine gewisse Subjektivität und persönlichen Touch. Meine Tests basieren u.a. auf längjähriger Erfahrung sowie aus einer gewissen Leistungsfähigkeit heraus.

In diesem Sinne - keep on Training. Immer. Überall.

Nutze DEIN Potential.

Ciao,
M.P.



Mittwoch, 3. Februar 2016

Mach' "Sitz!"

Hallo Freunde des gepflegten Ausdauer-Dreikampfs,

Aus gegebenem Anlass mal wieder ein längerer Post meinerseits. Mir fällt auf, dass in diversen Verkaufsforen für Radsportler und Triathleten 9/10 Rädern eine (abnormal) hohe Sattelneigung aufweisen... Erstmal habe ich natürlich gecheckt ob es an der Fotoperspektive lag?! Leider nein...
 
Nur weil die Sattelnase nach unten zeigt, heisst das noch lange nicht dass es bergab geht!!!
 
Standardeinstellung wäre zunächst mal 0-Grad - also waagerecht, damit der jeweilige Sattel seine volle Funktionsfähigkeit entfalten kann. Nämlich Druckverteilung, Dämpfung - und somit Komfort.

Meine Empfehlung wäre (maximal) 1-2 Grad, wenn überhaupt. Bei zu hoher Neigung schiebt es den/die Fahrer/Fahrerin permanent nach vorne Richtung Vorbau/Lenker und dementsprechend erhöht sich der Druck auf Schultern und Handgelenke. Oder in Tria-Position noch zusätzlich auf die Ellenbogen. Wenn noch dazu kommt, dass der Radler den Kopf überstreckt hält um 2km Vorausschauen zu können, haben wir den Salat. Daher rühren nämlich meist die entsprechenden Probleme im Nackenbereich. Die Leute sitzen auf dem Rad wie eine Katze wenn's donnert.

"Mir tut der Hintern bei jedem Sattel weh...". Oft gehörtes Statement. ...naja, dann hast du einfach noch nicht den richtigen Sattel gefunden. Ganz einfach. Leider wird hier von Herstellerseite seit geraumer Zeit gefühlt alle 3 Monate eine neue Sau durch's Dorf getrieben. Kurz, lang, dick, dünn, weich, hart, mit/ohne Gelpad, geteilt, geknubbelt, geklöppelt, bestickt, bedruckt, mit Drop, Anti-Schweiss, Anti-Rutsch, Anti-Hirn (?)... aber auf jeden Fall Anti-billig...

Nicht zu unterschätzen ist übrigens ebenfalls die Radhose bzw. Sitzpolster UND deren Zusammenspiel mit eben DIESEM Sattel! Eine kleine Wissenschaft für sich und sicher eine Möglichkeit einen eigenen Post darüber zu schreiben. Auf jeden Fall sei dazu hier soviel gesagt:  "...welche Radhose fahrt ihr so...?" ist eine genauso naive Forums-Frage wie so viele andere. Die Antwort lautet: DAS IST INDIVIDUELL!!!
 
Bitte den Sattel weder nach Optik, nach Hersteller nur weil das Rad vom gleichen ist, nach Coolnessfaktor oder nach Pro-Athlete-Faktor auswählen ...nur weil z.B. Jan Frodeno 180km in Aeroposition fahren kann... das hat durchaus andere Gründe...
 
Natürlich bedarf es mehrere Test bis man "seinen" Sattel gefunden hat. Diesem Sattel muss man aber auch Gewöhnungszeit einräumen, genauso wie dem eigenen Hintern. Passt 100% "out of the box" gibt es extreeeem selten. Eine oder zwei kurze Radeinheiten reichen da nicht aus. Einfacher Tipp: vor dem Sattelkauf auf ein dickeres Stück Pappe setzen (in Radhose) und schauen wo die Druckstellen / Dellen (Sitzbeinhöcker) auftreten. Dort "Mitte-Mitte" messen und mit dem Wert zum Sattelverkäufer eures Vertrauens gehen. Da schliessen sich ganz automatisch schon viele Modelle aus!
 
Gut Ding will Weile haben!
 
und
 
Wer gut sitzt, der gut fährt!

In diesem Sinne...

M.P.



Montag, 24. August 2015

(Kauf-Entscheidungs)Hilfe via sozialer Medien?!

Servus Sportsfreunde,

nach einer zwei-wöchigen Urlaubspause möchte ich mich gerne zum  Thema "Soziale Medien als Entscheidungshilfe?!" äußern. Nach 14tägiger "Facebook Abstinenz" prasselten, nachdem ich wieder "online" ging, die Infos, Neuigkeiten, Posts, Mails usw. in ziemlich heftiger Menge auf mich ein...

Insbesondere fiel mir auf, wie "hilflos" doch zahlreiche Sportler in vielerlei Materialfragen und den Entscheidung zu diesen Dingen sind. Anscheinend gehen viele nach dem Prinzip der Sch...hausfliege: ...es muss lecker sein, 1000 Fliegen können sich nicht irren...?!

Man muss natürlich unterscheiden - Erfahrungsberichte können sicher wertvolle Indiziengeber sein. Keine Frage. Auch Meinungsumfragen können mitunter interessant sein - zeigen sie doch Grundstimmungen oder Tendenzen auf usw. usf. Aber KAUFENTSCHEIDUNGEN - insbesondere solche die konkret die Gesundheit beeinflussen können - die sollte man doch tunlichst selber treffen. Oder in Absprache mit wirklichen Experten im persönlichen Gespräch / Test!!!

Beispiel 1: "...laufe immer den Schuh XY...jetzt möchte ich einen leichten Schuh für (m)einen schnellen Marathon kaufen..." und schon prasseln die Empfehlungen & Modelle nur so auf den Postverfasser ein. Auf welcher Grundlage basieren nun solche Empfehlungen ohne jegliche Kenntnisse über die (körperlichen) Aspekte oder die Leistungsfähigkeit der anfragenden Person?! Völlig aussen vor ist die Sinnhaftigkeit der Fragestellung selbst, ohne nähere Angaben. Sollte es sich um einen unerfahrenen Sportler handeln, dürfte der "schnellere Marathon" aufgrund eines leichteren Schuhs wahrscheinlich ein hohes gesundheitliches Risiko bergen. Handelt es sich dabei um einen erfahrenen Sportler, sollte sich die Frage gar nicht stellen...Und über allem schwebt die Frage des tatsächlichen Vorteils von Schuh A (mit z.B. 242gr zu Schuh B mit 198gr)...ja ja...ich weiss...rechnerisch ergibt das multipliziert mit der Anzahl der Schritte...bla bla bla...eine Ersparnis von XY...in der Realität muss dir aber z.B. nur die Laufgruppe "Barfuss Timbuktu" die Straße blockieren und schon ist der große Vorteil direkt in der Abfalltonne gelandet. Schöner Mist. :-)

Beispiel 2: "...habe € 3.000,- Budget und möchte mir ein Triathlonrad kaufen...was ratet ihr mir..." und es folgen wiederum "Kaufempfehlungen" ohne Ende. Diese basieren in der Regel auf dem eigenen genutzten Material, denn woher sollte man sonst die Erfahrung haben, wenn man KEIN Testfahrer ist der zeitgleich Zugang zu (vergleichbaren) Modellen verschiedener Hersteller hat?! Rahmengeometrie, Farbe mal aussen vor - im jeweiligen Preissegment sind die Unterschiede in den Ausstattungen eher marginal und am Ende "nur" Geschmacksfrage ob Shimano, Campa oder SRAM...alles funktioniert mittlerweile prima. Okay, manchmal gibts noch leichte Unterschiede bei den verbauten (System)Laufrädern. Aber am Ende sind es doch wieder der eigene Geschmack, vielleicht der Vorzugspreis beim Händler um die Ecke und die Beine, die den entscheidenden (Leistungs)Ausschlag geben. Übrigens wird bis in die hohen Amateur-Radsport-Bereiche durchaus "nur" die 105er Shimano-Gruppe (aus Budgetgründen) benutzt - selbst diese ist also absolut renntauglich!

Beispiel 3: "...möchte mir einen neuen Trainingscomputer zulegen...Polar, Suunto, Timex oder Garmin...was meint ihr...?!" same shit - different day. 99% schwören wohl auf die aktuell am Handgelenk befindliche Uhr/Marke oder die, mit der größten (Markt)Präsenz. Die Dinger kosten richtig Geld, sind mittlerweile ALLE Eier-legende-Woll-Milch-Säue und funktionieren. Unglaublich wieviele Funktionen sie bieten - die man selbsverständlich alle braucht, zumindest bei den ersten 10 Trainingseinheiten - danach nervt das und man benutzt doch wieder nur die guten alten "Best of Five"... :-) Übringes habe ich selber mittlerweile über die Jahre die Topmodelle der Marken Polar, Timex, Garmin und Suunto durch...verrate aber hier und heute meinen Favorit nicht. *Ätsch* :-)

Beispiel 4, 5, 6: "...welche Schwimmbrille empfehlt ihr mir...", "...welchen Sattel soll ich kaufen...", "...welcher Tria-Ein-Zwei-Teiler ist der beste..."

Die Liste ist mal wieder leicht fortsetzbar. Ich verstehe die Unsicherheit der Sportler in diesen Fragen absolut. Der Markt tut auch einiges dafür. Es wird Bedarf geschaffen wo eigentlich keiner/weniger ist. Die Verwirrung wird dadurch sicher noch größer. Die Sachen um die es geht kosten in der Regel viel Geld und man möchte die "richtige" Entscheidung treffen, klar.

Allerdings gibt es keine Garantie, dass die zahlreichen Tipps und Empfehlungen zur richtigen Entscheidung führen. Im negativen Falle wird keiner der Ratschlaggeber die Verantwortung dafür übernehmen. Dafür muss man - wie in so vielen Bereich des Lebens - die eigenen Entscheidungen treffen und verantworten! Gegebenenfalls aus Fehlern lernen. Nur so findet man wirklich heraus was für einen selbst das "Beste" oder "Richtige" ist. Und ganz ehrlich - sieht doch schön aus, wenn man im Regal 3 Handgelenkscomputer, Gurte und Ladekabel liegen hat...wenn mal einer kaputt geht... :-)

Ganz schlecht ist, wenn man von einem Radler mit Stahlrahmen und Rahmenschaltung, kurzen schlabbernden Hosen, T-Shirt, rumgedrehter Mineralwasserflasche im Alu-Flaschenhalter und analogem Radcomputer überholt wird... da müssen dann ein-zwei Tipps verkehrt gewesen sein. Am Training kann's ja wohl nicht liegen! :-)

In diesem Sinne - haut rein und kurbelt die Wirtschaft an!

M.P.